SOS in der Ostsee

Das nano-Camp 2015

SOS Ostsee

Die Ostsee – ein Erbe der Eiszeit

Die Ostsee war ursprünglich ein Binnensee aus Schmelzwasser, der vor 10.000 Jahren nach der letzten Eiszeit aus den skandinavischen Gletschern entstand. Das Meer hat zwischen den dänischen Inseln und Schweden seine Verbindung zur Nordsee, durch die kaltes, salzreiches Wasser am Boden einströmt sowie wärmeres und salzarmes an der Oberfläche abfließt. Ebbe und Flut sind auf der Ostsee kaum vorhanden. Die nordöstlichen Teile sind im Winter regelmäßig mit Eis bedeckt.

 

Bedrohtes Meer – nicht alles im grünen Bereich

Die Ostsee, auch Baltisches Meer genannt, ist relativ flach, die mittlere Tiefe beträgt nur 55 Meter, die größte 459 Meter. Daher ist sie sehr empfindlich für Schmutzfrachten aus den Flüssen. Wegen der nur schmalen Öffnung des Binnenmeeres zum Atlantik können Verschmutzungen kaum abfließen, weshalb die Ostsee ökologisch als besonders gefährdet gilt. Besonders dringende Probleme sind Überfischung, Algenbildung durch Überdüngung und der ständig zunehmende Schiffsverkehr. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden deutsche Giftgasgranaten in der Ostsee versenkt. Bei den Fischern um die dänische Insel Bornholm verfangen sich die Granaten noch heute in den Netzen.

 

Die Todeszonen – Problem Sauerstoffmangel

Ein Problem, mit dem die Ostsee traditionell zu kämpfen hat, sind die Todeszonen – extrem sauerstoffarme Gebiete am Meeresgrund. Dort kann der Laich von kompletten Jahrgängen des auf dem Speisezettel beliebten Dorsches ausfallen. Auch alles von Algen abhängige kleine Meeresgetier stirbt in diesen Gebieten ab.

 

Frischwasserkur

Zustrom sauerstoffreichen Salzwassers hat allerdings Ende 2014 den Trend gestoppt, bei dem sich die „Todeszonen“ in der Ostsee weiter ausbreiten. Nach Mitteilung des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung in Warnemünde (IOW) war es vom 13. bis 26. Dezember zum drittgrößten Salzwassereinbruch seit Beginn der Messungen in den 1950er Jahren gekommen. Zuvor gab es eine Phase langanhaltender Ostwinde, die einen starken Ausstrom verursachten. Als der Wind nach Südwest, später nach West drehte, konnte Nordseewasser einströmen.

Das Volumen des einströmenden Wassers schätzen Experten auf 198 Kubikkilometer, die vier Gigatonnen Salz mit sich führten. Da das Wasser eine sehr gute Sauerstoffsättigung hat, rechnen Forscher auch mit einem positiven Effekt auf die Sauerstoffmangel-Gebiete im Bornholm- und Gotlandbecken.

Die nano-Camper

Acht Jugendliche gehen der Ostsee auf den Grund

 

360°-Video: Schauen Sie sich im Camp um


Camper unter sich: Die acht Jugendlichen schlafen in Zelten und verbringen ihre Freizeit auf einem abgeschiedenen Gelände, wenn sie nicht gerade das Meer von vielen Seiten kennen lernen.

Abgetaucht

Die Camper erforschen die Ostsee unter Wasser

Tauchen in der Ostsee ist eine Herausforderung: Unter Umständen kann man unter Wasser nur einen Meter weit sehen. Aber auch hier wimmelt es von Meereslebewesen.


Einige der nano-Camper haben bereits Taucherfahrung. Aber in der Ostsee abzutauchen ist dann doch etwas anderes als im Mittelmeer oder in den Tropen.

Im Robbenbecken

Die Camper erforschen den Gehörsinn der Robben

Robben können unter Wasser extrem gut hören und wissen genau, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt. Die Biologen am Robben-Forschungszentrum Warnemünde wollen verstehen, wie die Tiere das hinbekommen.


Die Camper sind buchstäblich hautnah dabei: Sie legen wieder den Neopren-Anzug an und springen zu den Tieren ins Wasser.

360°-Video: Ein Blick über das Robbenbecken


Wenn keine nano-Camper da sind, haben die Robben trotzdem keine Pause: Ein Forscher ist immer da, um ihr Verhalten zu untersuchen.

Unter Fische(r)n

Die Camper unterwegs auf dem Fischerboot

Die Ostsee ist ein besonderes Meer: Sie besteht aus einer Mischung von Süß- und Salzwasser – dem Brackwasser. Das bedeutet Stress für die Meereslebewesen. Die Lebensbedingungen sind weder für Salzwasserarten noch für Süßwasserbewohner ideal.


Im Fischernetz finden sich jede Menge Krabben. Der wichtigste Speisefisch der Ostsee – der Dorsch – hat sich dagegen rar gemacht.

Raus auf die Ostsee

Die Camper auf dem Forschungsschiff

Bei ihren Forschungsfahrten mit der Elisabeth Mann Borgese gehen Wissenschaftler des Leibniz Instituts für Ostseeforschung (IOW) der Ostsee auf den Grund. Im Blick haben sie Salzgehalt, Nährstoffe und den Meeresboden.


 

360°-Videos: Erkunden Sie die Elisabeth Mann Borgese

 

Die Elisabeth Mann Borgese in Zahlen

Länge: 56,5 Meter

Tiefgang: 3,50 Meter

Maximale Geschwindigkeit: 26,9 Kilometer pro Stunde

Reichweite: 4000 Seemeilen (7408 Kilometer)

Mannschaft: 11

Wissenschaftler: 12

Fischen im Trüben

Das Wasser der Warnow unter der Lupe

Die Warnow mündet bei Warnemünde in die Ostsee und bringt Nährstoffe aus der Landwirtschaft mit. Das Ergebnis: Algen sprießen massenhaft.

 


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Buchtipp

Viele Hintergrundinformationen zu allen Bereichen der Ostseeforschung finden Interessierte im Buch „Meereskunde der Ostsee“. Das Buch deckt Geowissenschaften ebenso ab wie Meteorologie, Biologie und Ökologie. Vorsicht: kein Sachbuch, sondern ein wissenschaftliches Werk. Das Buch ist anspruchsvoll und keine Lektüre zum Schmökern vor dem Einschlafen.


 

Gerhard Rheinheimer (Hrsg.)

Meereskunde der Ostsee

Springer-Verlag

ISBN 13:978-3-540-59351-5